Die San Diego Chroniken – Teil 1

Zehn Jahre ist es jetzt her … Zehn verdammte Jahre! Eine Dekade, ein Zehntel-Jahrhundert, ein … was weiß ich! Vor etwa zehn Jahren bin ich ins Auslandssemester nach San Diego geflüchtet, um mich vor meiner Diplomarbeit zu drücken – und um Kalifornien zu erleben. Nicht nur sehen, sondern erleben, eintauchen, aufsaugen! Zum 10-jährigen Jubiläum packe ich die verstaubten Blog-Einträge von damals nochmal aus. Die San Diego Chroniken sind 2008 in mühsamer Handarbeit entstanden und wurden in einem Blog veröffentlicht, den es heute nicht mehr gibt. Deswegen gibt‘s das Silbengulasch von damals noch einmal hier auf snuckout. Frisch aufgearbeitet in Full Laser HD und Dolby Universum Surround! Viel Spaß damit!

20/08/2008 Los geht´s!

Oder auch nicht. Wie manche sicher schon mitbekommen haben, hat sich mein Flug nach San Diego wegen eines Krankenhausaufenthaltes um 5 Tage nach hinten verschoben. Für die, die es noch nicht wissen: Ich habe auf dem Frankfurter Flughafen ins Parkhaus gekübelt! Leider kein Witz. Mir war die Nacht zuvor schon gar nicht mal so gut und im Laufe des Morgens nahmen die Dinge und das Essen dann ihren Lauf. Sabrina hat mich ganz planmäßig nach Frankfurt gefahren. Im Parkhaus ging es dann ganz schnell. Tür auf, Mageninhalt raus. Ich hatte kurz die Hoffnung, dass es besser werden würde und mein Gepäck mal aufgegeben. Da ich aber fast die komplette Wartezeit kübelnd auf der Flughafentoilette verbracht habe, hielt ich es für eine gute Idee mich statt ins Flugzeug lieber ins Auto zu setzen. Zu Hause wurde ich dann direkt mal für drei Tage im Krankenhaus eingetütet. Lange genug, um ein komplettes Magen-Darm-Check-Programm durchzuziehen. Die Details können bei mir per Mail angefordert werden … Diagnose: Speiseröhrenentzündung, aber San Diego nicht gefährdet.

Während meiner drei Tage im Krankenhaus habe ich mit Delta Airlines rumtelefoniert, -gefaxt, und -gemacht, mit dem Resultat, dass ich meinen Flug am 25.8. wahrnehmen kann. Die Umbuchung hat dank eines Arztattestes nichts gekostet. An dieser Stelle mal ein großes Lob an Delta Airlines, die sehr zuvorkommend und hilfsbereit waren. Aber genug vom Krankenhaus und irgendwelchen Darmgeschichten …

25/08/2008 Jetzt aber!

Am 25.8. habe ich es dann bis ins Flugzeug geschafft. Hauptmenü war ein 10-Stunden-Flug von Frankfurt nach Atlanta, garniert mit einer 5-stündigen Wartezeit. Als Dessert gab es einen 5-Stunden-Flug nach San Diego. Im Flugzeug habe ich meine erste Bekanntschaft gemacht. Allerdings erst im Landeanflug auf Atlanta. 9 Stunden und 40 Minuten Langweile und dann entdecke ich eine Reihe hinter mir einen deutschen Studenten, der ebenfalls an der San Diego State University (SDSU) studieren will. Constantin und ich haben uns direkt gut verstanden und dann gemeinsam die Zeit in Atlanta totgeschlagen. Unter anderem mit dem Kauf eines Steckdosenadapters für 30$. Für das Teil hätte Constantin eigentlich einen Waffenschein gebraucht … Auf dem Flug nach San Diego konnte ich dann endlich mal “schlafen”. So wie im Bus, so wie auf Klassenfahrt. Stichwort: Bandscheibenvorfall.

Der Landeanflug war grandios! Im Dunkeln segelten wir über das beleuchtete San Diego Richtung Landebahn. Landen, aussteigen, Gepäck schnappen und dann raus hier! Die Flughafentür öffnet sich und ich trete heraus in einen wunderbaren Sommerabend. Ich habe zum ersten Mal den Boden des Golden State unter meinen Füßen und die warme kalifornische Sommerluft schleicht durch meine Geruchsgänge, um in meinem Gehirn ein Gefühl von Heimat auszulösen. Ich bin so was von angekommen.

Mit dem Taxi ging’s dann ab ins Hostel nach Point Loma. Wie das schon klingt … Point Loma. Stark! Dort habe ich mich mit Christiane getroffen, die ich schon von studivz kannte. Dann das Übliche … Zimmer beziehen, mal klarkommen und Leute abchecken. Auf meinem Zimmer lagen ein Franzose (Vianney), ein New Yorker (Jeremy) und ein mysteriöser älterer Herr. Mit Vianney hab ich mich im Laufe der Hostelwoche super verstanden. Außerdem haben wir tischtennismäßig die olympischen Spiele nach Point Loma geholt! Der ältere Herr, der mir wie der Hüter der Herberge vorkam, meinte er könnte Erdbeben voraussehen. Außerdem hätte er Kontakt zu Poltergeistern. Ich habe keinen kennengelernt.Hostel Point Loma

26/08/2008 Registration

Weil mich landende Flugzeuge und die Zeitverschiebung erfolgreich vom Schlafen abhalten konnten, war ich schon um 4.00Uhr wach. So war ich wenigstens pünktlich, denn um 7.00Uhr ging es mit Christiane Richtung SDSU zur Registration. Eigentlich erwartete ich ein totales Office-Inferno, aber die Anmeldung lief reibungslos wie ein Perpetuum Mobile. Die Mitarbeiter hier an der SDSU sind der Hammer! Super nett und hilfsbereit ohne Ende. Des weiteren war ich um genau 5.640$ Studiengebühren leichter. Örks … Ich hatte drei Jobs, habe acht Monate gespart und mein Auto verkauft. Das war es wert. Ich würde es immer wieder tun. Nach dem formalen Kram bin ich mit dem Trolley (Straßenbahn) Richtung Mission Valley geheizt. Mission in Mission Valley: Handykauf – um die Primäraufgabe “Wohnungssuche” zu bewältigen. Erwähnenswert ist eigentlich nur, dass das Prepaid-Handy läppische 10$ gekostet hat. Genau so hat es dann auch funktioniert …

Da ich durch meinen Zwischenstopp im Krankenhaus fünf Tage verloren hatte, blieb mir nicht mehr all zu viel Zeit eine Bude zu finden. Strand- oder Uninähe? Eigentlich leicht zu beantworten, aber ich ging den vernünftigen Weg und hielt nach einer Bude in Uninähe Ausschau. Habe dann auch was Vielversprechendes gefunden: Möbliert, in meiner Preisklasse und in Uninähe. Eigentlich wollte die Vermieterin eine Dame haben, aber ich sollte mal gucken kommen. Das ging ja einfach. Denkste. Am Abend vorher hat sie dann doch kalte Füße bekommen und geschrieben: “I´d prefer a female.” Toll, hätte sie ja gleich absagen können. Ich hatte eigentlich null Bock meine freien Tage komplett mit Wohnungssuche auszufüllen, aber ging erstmal nicht anders. Die nächste Anzeige hat sich auch gut angehört: Eine Mum mit Kind, möbliert – also das Zimmer – und relativ in Uninähe. 20 Minuten Fußweg zum Busstop und dann 10 Minuten mit dem Bus zur Uni. Aber hey, ich bin in Kalifornien! Da ist selbst durch die Gegend laufen eine Freude! Außerdem hatte ich jetzt einen Grund mir ein Board zu kaufen. Nach der Besichtigung habe ich dann direkt zugeschlagen. Jetzt nur noch einen Pflichttermin an der Uni und dann war frei bis zum 2. September. Whoop whoop!

27/08/2008 Orientation

Tag 2 an der Uni. Da gibt´s nicht viel zu sagen. Campus scannen (was auch wieder ein Erlebnis war, da das Teil einfach nur endgeil ist!), Studentenausweis abholen, usw. Besonders spannend finde ich den Foodcourt. Mensaartiges Restaurant mit einzelnen Fressstationen. Da mampfe ich mich die nächsten Wochen durch! 5$ Meals von z.B. Taco Bell mit all-you-can-drink-water. Überlebenswichtig angesichts der traumhaften Temperaturen. Abends gab es dann nach dem täglichen Tischtennis Freundschaftsspiel Deutschland vs. Frankreich ein multikulturelles BBQ ins Gesicht. Nach dem Essen bin ich dann mit ´nem Typen namens Jeremy mal Richtung Ocean Beach gegondelt. Auf dem Rückweg hab ich mir noch einen Chicken-Burrito an einer kleinen 24h-Bude gezogen. Alter, die Jungs an der mexikanischen Grenze wissen wie man Burritos bastelt! War das Teil geil! Auch kulinarisch betrachtet bin ich am richtigen Ort.Ocean Beach

28/08/2008 Urlaub!

Für 9.00Uhr hatte das ALI (American Language Institute) eine Citytour für die Studenten organisiert. Kostet nix, bin ich dabei! Außerdem gut, um ein paar Leute kennenzulernen. Auf der Tour wurden dann lässige Spots wie Pacific Beach, La Jolla (Bonzenviertel), das Horton Plaza (Ultra-Mall) und der Balboa Park abgeklappert. War ganz gut, um mal einen Überblick zu bekommen. Aber den hatte ich schon einigermaßen, da ich vor Abreise fast meine gesamte Freizeit mit dem Studieren der Google-maps Karte von San Diego verbracht hatte.Horton Plaza Mall

Nächstes Mal bei snuckout: Lerne ich doch noch Poltergeister kennen? Wird Sackhüpfen endlich olympisch? Und wieviel kann man an einem Tag eigentlich schwitzen?

Comments are closed.